Welches Glas für Champagner? Der ehrliche Ratgeber

Welches Glas für Champagner? Ein tulpenförmiges oder weißweinähnliches Glas holt deutlich mehr heraus als ein schmales Sektglas — der Bauch lässt den Wein atmen, die verjüngte Öffnung bündelt die Aromen.

Es gibt einen Test, den du zu Hause machen kannst. Nimm eine Flasche, schenk in ein schmales, hohes Sektglas ein und in ein normales Weißweinglas. Riech an beiden. Dann trink.

Das ist derselbe Wein. Er schmeckt nicht so.

Auf einen Blick

Tulpe oder Weißweinglas. Ein bauchiger Körper mit leicht aufgeweiteter Öffnung gibt den Aromen Platz und führt sie gleichzeitig zur Nase.

Das schmale Sektglas kann beides nicht. Zu wenig Oberfläche, kein Kopfraum, und der Wein trifft die falsche Stelle im Mund.

Ein Drittel einschenken, 8 bis 10 °C. Schräg einschenken wie beim Bier — das erhält mehr Kohlensäure.

Sauberkeit schlägt Politur. Spülmittel- und Fettreste sind der häufigste Grund für schwache Perlage.


Welches Glas passt zu Champagner?

Ein tulpenförmiges oder weißweinähnliches Glas mit bauchigem Körper und leicht aufgeweiteter Öffnung.

Es gibt den Aromen Platz, sich zu entfalten, und führt sie gleichzeitig zur Nase — zwei Dinge, die ein schmales, hohes Glas beide nicht kann.

Riedel Superleggero Hermitage, leeres Glas, freigestellt auf Weiß

Die Tulpenform: bauchig im Körper, oben leicht verjüngt und an der Öffnung wieder etwas geweitet.


Warum funktioniert das schmale Sektglas nicht?

Drei Gründe, alle physikalisch: zu wenig Oberfläche, kein Raum über dem Wein, und der Wein trifft die falsche Stelle.

  • Zu wenig Oberfläche — Aromastoffe verdunsten aus der Flüssigkeitsoberfläche. In einer schmalen Form ist diese Fläche winzig — es entsteht schlicht zu wenig Duft.
  • Kein Raum über dem Wein — Ein Glas braucht Kopfraum, in dem sich Aromen sammeln können, bevor du die Nase hineinsteckst. Im hohen, engen Glas gibt es diesen Raum nicht.
  • Der Wein trifft die falsche Stelle — Aus einer schmalen Öffnung schießt der Champagner in einem dünnen Strahl nach hinten. Aus einem bauchigen Glas breitet er sich vorne aus — wo mehr wahrgenommen wird.

Das Argument für die schmale Form war immer die Perlage: Man sieht die Bläschen schön aufsteigen. Das stimmt.

Nur trinkt man Champagner nicht mit den Augen.


Was ist mit der flachen Schale?

Die Coupe sieht auf Fotos großartig aus und ist als Glas eine Katastrophe.

Große Oberfläche nach oben offen, also entweicht alles sofort. Die Kohlensäure ist nach zwei Minuten schwach, die Aromen sind weg, und die Hälfte landet beim ersten Anstoßen auf dem Tisch.

Für ein Foto: gern. Zum Trinken: nein.


Welches Glas lohnt sich wirklich?

Ein gutes Weißweinglas, das du wahrscheinlich schon hast — es ist dem schmalen Sektglas deutlich überlegen.

Der günstigste Qualitätssprung, den es beim Champagner gibt, kostet also nichts: Er steht schon in deinem Schrank. Wenn du gezielt kaufen willst, funktionieren zwei Formen für fast alles.

Riedel Superleggero Hermitage, leeres Glas, freigestellt auf Weiß

Der Riedel Superleggero Hermitage: schlanker, nach oben zulaufend — bündelt die Aromen und hält die Perlage zusammen.

Riedel Superleggero Burgunder Grand Cru, leeres Glas, freigestellt auf Weiß

Das Burgunderglas: deutlich bauchiger, mehr Luft über dem Wein.

Glas Form Passt zu
Riedel Superleggero Hermitage schlanker, nach oben zulaufend — bündelt die Aromen und hält die Perlage zusammen Hélène Beaugrand Le Grand Carré Blanc de Blancs Brut Nature · Morel L'Extra Brut Blanc de Noirs · Salmon 100 % Meunier Brut Blanc de Meunier
Riedel Superleggero Burgunder Grand Cru bauchiger — mehr Volumen und Oberfläche, der Wein bekommt Luft Julien Chopin Blanc de Blancs Grand Cru Millésimé 2012 · Morel Vemoy Le Chêne Blanc de Noirs · Le Guédard Spécial Club Trésor Clos St Hélène 2016

Welche Form passt, entscheidet sich an der einzelnen Cuvée und nicht an der Rebsorte — bei jeder Flasche im Shop steht dabei, welche wir dafür nehmen.

Wenn du nur eines nimmst: das erste. Es deckt mehr ab.


Wie voll schenkt man ein?

Etwa bis zur breitesten Stelle des Glases, also rund ein Drittel.

Das klingt wenig, ist aber der Punkt: Der leere Raum darüber ist kein verschenkter Platz, sondern der Ort, an dem die Aromen entstehen.

Und schräg einschenken, wie beim Bier. Das erhält mehr Kohlensäure als der freie Fall in die Mitte.

Champagner wird schräg in tulpenförmige Gläser eingeschenkt

Schräg einschenken und bei rund einem Drittel aufhören — bis zur breitesten Stelle des Glases.


Bei welcher Temperatur trinkt man Champagner?

Zwischen 8 und 10 °C. Nicht eiskalt — Kälte betäubt Aromen und lässt Säure härter wirken.

Gereifte Cuvées und Rosés vertragen 10 bis 12 °C.

Der praktische Weg: Flasche aus dem Kühlschrank nehmen, fünf bis zehn Minuten stehen lassen, dann öffnen.

Familie Morel in Les Riceys empfiehlt für ihre Solera-Cuvée ausdrücklich 8 bis 10 °C und ein weißweinähnliches Glas — die Winzer selbst sind sich da einig.


Muss man Champagnergläser polieren?

Sauber spülen ja, Spülmittelreste vermeiden unbedingt. Ein Poliermittel brauchst du nicht.

Der häufigste Grund für schwache Perlage ist nämlich nicht der Wein. Es ist das Glas: Fett und Reinigungsmittel töten die Bläschen.

Mit heißem Wasser nachspülen und mit einem fusselfreien Tuch trocknen reicht.


Welche Gläser benutzen die Winzer selbst?

Weißweingläser. Wir haben noch bei keiner Familie ein schmales Sektglas auf dem Tisch stehen sehen.

Wir — Annika und Marc — besuchen 21 Winzerfamilien in der Champagne persönlich. Die Leute, die den Wein machen, trinken ihn aus Weißweingläsern.

Reihe tulpenförmiger Gläser auf einem Tastingtisch

So sieht ein Tastingtisch bei uns aus: tulpenförmige Gläser, kein schmales Sektglas.

In jede Lieferung legen wir neben der Flasche einen Snack und ein Rezept. Flasche. Snack. Rezept.

Und die Zahl, die fast niemand kennt: Die großen Häuser kaufen bis zu 90 % ihrer Trauben von genau den Familien, die niemand kennt.


Welche Flasche gehört in dieses Glas?

Die Solera-Cuvée von Familie Morel aus Les Riceys — die Familie empfiehlt dafür selbst 8 bis 10 °C und ein weißweinähnliches Glas.

Für diese Cuvée steht in unserer Zuordnung das Burgunder Grand Cru — die bauchigere Form mit mehr Volumen und Oberfläche.

Was wir daraus öffnen würden

Flasche Solera Histoire de Rosé von Morel

Vielschichtig · Rosé

Solera Histoire de Rosé — Morel

Die Solera-Reifung bringt die Tiefe, für die sich das bauchigere Glas lohnt — serviert bei 8 bis 10 °C, wie die Familie selbst empfiehlt.

110,90 €
inkl. MwSt., zzgl. Versand

Zur Flasche


Was werden wir am häufigsten gefragt?

Fast immer geht es um fünf Dinge: das normale Weißweinglas, die schwache Perlage, die Menge pro Flasche, den Dekanter und die Tulpenform.

Kann ich Champagner aus einem normalen Weißweinglas trinken?

Ja, und es ist die bessere Wahl als ein schmales Sektglas. Ein Weißweinglas bietet mehr Oberfläche und Kopfraum, sodass sich die Aromen entfalten können.

Warum perlt mein Champagner so wenig?

Häufigste Ursache sind Spülmittel- oder Fettreste im Glas, die die Bläschenbildung unterdrücken. Zweithäufigste: zu warmer Wein. Erst danach kommt die Flasche selbst infrage.

Wie viele Gläser ergibt eine Flasche?

Eine 0,75-Liter-Flasche ergibt sechs Gläser à 125 ml. Als Aperitif rechnet man rund zwei Gläser pro Person, zum Essen eher eine halbe Flasche.

Braucht Champagner einen Dekanter?

In der Regel nicht — die Kohlensäure würde stark leiden. Bei sehr jungen, reduktiven Brut-Nature-Cuvées kann etwas Luft im großen Glas helfen; dafür reicht Schwenken.

Was ist ein Tulpenglas?

Ein Glas mit bauchigem Körper, das sich nach oben leicht verjüngt und an der Öffnung wieder etwas weitet — in der Form einer Tulpenblüte. Diese Kombination bündelt Aromen und gibt ihnen gleichzeitig Raum.


Annika & Marc

Wir trinken unseren Champagner zu Hause aus Weißweingläsern — so, wie wir es bei allen 21 Winzerfamilien auf dem Tisch gesehen haben. Ein schmales Sektglas stand da noch nie. Zu Hause stehen bei uns daneben die handgefertigten Sommeliers Black Tie. Ehrlich gesagt trinken wir öfter aus der Superleggero.

Annika und Marc stoßen mit weißweinähnlichen Gläsern an

Annika und Marc — angestoßen wird mit weißweinähnlichen Gläsern, so wie bei den 21 Winzerfamilien.

Dein Platz am Tisch

Champagner hat ein Gesicht.

Gib ihm ein Glas, in dem man es sieht.

Welcher Stil passt zu dir? Fünf Fragen

Was isst man zu Champagner? · Mitgliedschaft entdecken


Weiter entdecken

Als Nächstes: Warum Extra Dry süßer ist als Brut — die Zahl auf dem Etikett, erklärt →

Zurück zum Blog