2,24 Hektar und ein Sieg bei den Glass of Bubbly Awards: Colette Bonnet
2,24 Hektar Reben bei Noë-les-Mallets, rund 5.000 Flaschen im Jahr, dritte Generation. 2025 gewann einer dieser Champagner den Hauptpreis „The World’s Finest Glass of Bubbly“ bei den Glass of Bubbly Awards.
Auf einen Blick
Ort: Betriebssitz Éguilly-sous-Bois, Reben bei Noë-les-Mallets, Côte des Bar, Département Aube
Fläche: 2,24 Hektar, rund 5.000 Flaschen im Jahr
Rebsorten bei uns im Glas: Pinot Blanc, Pinot Noir, Chardonnay
Boden: Kimméridgien-Mergel, dieselbe Formation wie in Chablis
Besonderheit: Tirage- und Dégorgement-Datum stehen auf jeder Flasche
2,24 Hektar. Das ist fast nichts.
2,24 Hektar sind fast nichts: Ein durchschnittlicher deutscher Bauernhof bewirtschaftet gut das Zwanzigfache. Aus den Trauben ihrer 2,24 Hektar bei Noë-les-Mallets entstehen rund 5.000 Flaschen im Jahr.
5.000 Flaschen heißt auch: Es gibt nicht viel. Das ist kein Marketing, das ist die Größe des Hofs.
Ihre Reben, ihre Lese, ihre Presse: Gepresst wird vor Ort. Die Vinifikation läuft anschließend in einer Genossenschaftskellerei, nicht im eigenen Keller — bis einschließlich Ernte 2021 im Centre Vinicole de la Champagne in Chouilly, ab Ernte 2022 bei der Union Auboise. Wir finden es stärker, das zu sagen, als es zu verschweigen.
Was ihr Weinberg anders macht
Der Boden in Noë-les-Mallets ist Kimméridgien — Mergel-Kalk mit hohem Tonanteil, dieselbe Geologie wie in Chablis. Die Champagne endet hier und das Burgund fängt an, geologisch schon lange vor der Landkarte.
Die Umstellung auf Bio begann 2006 mit Ecocert — bis zur ersten zertifizierten Cuvée im Verkauf vergingen zehn Jahre.
| Jahr | Schritt |
| 2006 | Umstellung auf Bio beginnt, mit Ecocert |
| 2009 | Erste Ernte nach Bio-Regeln |
| 2016 | Erste zertifizierte Cuvée geht in den Verkauf |
Zehn Jahre zwischen Entscheidung und Etikett.
Dazu arbeitet sie biodynamisch, geschult bei Pierre Masson. Die Reben sind im Schnitt 30 Jahre alt.
Auf dem Hof stehen Bienenstöcke. Colette Bonnet ist auch Imkerin und verkauft Bio-Honig. Das ist kein Hobby am Rand, sondern dieselbe Logik: Wer in Ökosystemen denkt, hört nicht an der Rebzeile auf.
Radikale Transparenz auf dem Etikett
Auf jeder ihrer Flaschen stehen zwei Daten, die sonst fast niemand nennt: Tirage und Dégorgement. Zusammen sagen sie dir, wie lange der Wein auf der Hefe lag.
Tirage
Wann der Wein auf die Hefe ging.
Dégorgement
Wann er entkorkt und die Hefe entfernt wurde.
Warum das etwas taugt: Zwischen diesen beiden Daten liegt die Hefelagerzeit, und die entscheidet mit darüber, wie viel Brioche, Nuss und Cremigkeit im Glas landen.
Nach dem Dégorgement beginnt eine zweite Uhr zu laufen — der Champagner verändert sich weiter. Wer beide Daten kennt, weiß, was er vor sich hat. Wer sie nicht angibt, lässt dich raten.
Was trinkst du? Pinot Blanc als Reinsorter
Wir führen drei ihrer Cuvées. Die interessanteste ist der Pinot Blanc Millésime 2019.
Pinot Blanc Millésime 2019
Pinot Blanc ist in der Champagne zugelassen, aber kaum jemand baut ihn noch an, und fast niemand füllt ihn sortenrein ab. Dosage: Extra Brut, 4 g/l.
Assemblage 3 Cépages 2020
Aus allen drei Rebsorten.
Noir Essentiel 2017
Zum Noir Essentiel gehört die Auszeichnung: Nicht dieser Jahrgang, sondern sein Vorgänger, der Noir Essentiel n°2016 (94 % Pinot Noir, 6 % Chardonnay), gewann bei den Glass of Bubbly Awards 2025 den Hauptpreis „The World’s Finest Glass of Bubbly“. Der 2017er ist der Nachfolger derselben Cuvée-Linie, ein Jahr später gelesen.
Auf Kimméridgien bekommt der Pinot Blanc eine salzige Kante und florale Noten — Linde, Akazie — die ein Chardonnay so nicht liefert.
Im Glas (Hypothese, bis wir gemeinsam gegenverkostet haben): frisch, präzise, mit floralem Kern und mineralischer Länge.
Wer ist Colette Bonnet?
Colette Bonnet führt ihren Familienbetrieb in dritter Generation. Sie hat ihn mit 26 Jahren übernommen — nach einer Zeit im Burgund, wo sie 1998 in Montrachet verstand, was ein Boden mit einem Wein machen kann.
Ein Jahr später begannen bei ihr zu Hause die ersten Bio-Versuche. Die Reben liegen seit über hundert Jahren in der Familie.
Henri Barrois, 1911
Ihr Großonkel war 1911 an der Winzerrevolte der Côte des Bar beteiligt — dem Aufstand, der dafür sorgte, dass die Aube überhaupt zur Champagne gehören darf. Er war damals 26 Jahre alt und blieb kinderlos; die Weinberge gingen an Colettes Eltern.
Bis zu 90 % — die Zahl, die fast niemand kennt
Die großen Häuser kaufen bis zu 90 % ihrer Trauben von genau solchen Familien zu. Bei Colette Bonnet ist das keine abstrakte Statistik — sie verkauft selbst einen Teil ihrer Ernte an renommierte Häuser, die keine eigenen Bio-Trauben haben. Aus dem Rest entsteht der Champagner unter ihrem Namen.
Rund 5.000 Flaschen im Jahr — und 2025 gewann einer dieser Champagner bei den Glass of Bubbly Awards den Hauptpreis „The World’s Finest Glass of Bubbly“.
Flasche. Snack. Rezept.
Bei uns kommt nie nur eine Flasche. Zu jedem Champagner legen wir einen Snack, der auf ihn abgestimmt ist, und ein Rezept, mit dem daraus ein Abend wird.
Unser Snack zum Pinot Blanc: Nori mit Meersalz
Bei 4 g/l Dosage trägt Salz besser als Süße — Jod und Umami heben die florale Frucht, statt sie zuzudecken. Ein sicheres Paar.
Zum Kochen: Risotto mit grünem Spargel und jungen Erbsen
Der Pinot Blanc hat genug Salz, um die Butter im Risotto zu tragen, und genug Frische für den Spargel — der sonst fast jeden Wein metallisch macht.
Was wir dazu öffnen würden
Frisch & mineralisch
Pinot Blanc Millésime 2019 Extra Brut
Die Rebsorte, die fast niemand mehr sortenrein abfüllt — auf Kimméridgien, mit 4 g/l. So schmeckt ihre Konsequenz im Glas.
63,90 €
inkl. MwSt., zzgl. Versand
Zur Flasche
Vielschichtig
Noir Essentiel Millésime 2017 Extra Brut
Ausgezeichnet wurde der Jahrgang n°2016 — Hauptpreis „The World’s Finest Glass of Bubbly“ bei den Glass of Bubbly Awards 2025. Im Angebot ist der Nachfolger 2017 derselben Cuvée-Linie.
63,90 €
inkl. MwSt., zzgl. Versand
Zur FlascheHäufige Fragen
Fünf Fragen, die uns zu Colette Bonnet, ihrem Pinot Blanc und den Daten auf dem Etikett am häufigsten gestellt werden.
Was ist Pinot Blanc in der Champagne?
Pinot Blanc ist eine der sieben in der Champagne zugelassenen Rebsorten, wird aber nur auf einem sehr kleinen Teil der Fläche angebaut und fast nie sortenrein abgefüllt. Sortenreine Pinot-Blanc-Champagner wie der von Colette Bonnet sind entsprechend selten.
Was bedeuten Tirage und Dégorgement auf dem Etikett?
Tirage ist das Datum, an dem der Wein zur zweiten Gärung auf die Flasche gefüllt wurde. Dégorgement ist das Datum, an dem die Hefe entfernt wurde. Die Spanne dazwischen ist die Hefelagerzeit; sie prägt Textur und Aromatik. Nur wenige Häuser geben beide Daten an.
Was sind die Glass of Bubbly Awards?
Ein internationaler Wettbewerb mit Fachjury, ausgerichtet von Glass of Bubbly Limited, einer britischen Schaumwein-Plattform. 2025 verkosteten internationale Weinfachleute an zwei Tagen blind in London; zugelassen sind nach den Jurorenregeln Weinprofis und qualifizierte Schaumweininteressierte. Die Ergebnisliste 2025 umfasst 18 Stil- und Genusskategorien, dazu den Hauptpreis, die Sustainability Trophy und den Michael Edwards Award. Der Noir Essentiel n°2016 von Colette Bonnet gewann dort 2025 den Hauptpreis „The World’s Finest Glass of Bubbly“ — die Carynx-Trophäe.
Wo liegt Noë-les-Mallets?
In der Côte des Bar im Département Aube, im Süden der Champagne nahe der Grenze zum Burgund. Der Boden ist Kimméridgien-Mergel — dieselbe Formation wie in Chablis. Die Reben von Colette Bonnet liegen hier; der Betriebssitz ist im Nachbarort Éguilly-sous-Bois.
Welches Glas passt?
Wir empfehlen eine einzige Serie: Riedel Superleggero — und ordnen darin pro Cuvée zu. Der Pinot Blanc Millésime 2019 kommt in die Hermitage-Form: Sie bündelt die floralen Noten von Linde und Akazie und hält die Perlage fein, während schmale Formen genau diese Noten abschneiden. Der Noir Essentiel Millésime 2017 und die Assemblage 3 Cépages 2020 kommen dagegen in den bauchigeren Burgunder Grand Cru. Welche Form wann, steht in unserem Ratgeber zur Glaswahl für Champagner.
Annika & Marc
Wir — Annika und Marc — waren im April 2026 bei Colette Bonnet. Überzeugt hat uns nicht der Award, sondern die Konsequenz: zehn Jahre von der Bio-Entscheidung bis zur ersten zertifizierten Flasche, Daten auf dem Etikett, die niemand verlangt — und Bienen, weil es zum Rest passt.
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