François Secondé

Sillery gehört zu den 17 Grand Crus der Champagne — und ist trotzdem der Ort, den kaum jemand kennt. Champagne François Secondé ist das einzige Haus, das einen reinen Sillery Grand Cru abfüllt. 5,5 Hektar, seit 1976, geführt von Jérôme Groslambert.

 

 

Jérôme Groslambert, Winzer von Champagne François Secondé in Sillery

Wir haben das Haus in Sillery besucht und mit Jérôme am Tisch gesessen. Was uns sofort aufgefallen ist: Er braucht keine großen Worte. Er hat die Lage. Er hat die Reben. Und er hat die Geduld, einem Boden zuzuhören, den fast niemand kennt.

Wo liegt Sillery — und warum kennt den Ort niemand?

Sillery liegt an der Montagne de Reims, jenem hufeisenförmigen Hügelzug nördlich von Épernay, der für seine Pinot-Noir-Böden bekannt ist. Das Dorf ist eines der 17 Orte mit Grand-Cru-Status — der höchsten Klassifizierung der Champagne, verliehen nach Lagenqualität, nicht nach Marketingbudget.

Anders als Bouzy oder Ambonnay hat Sillery aber keine Tour-Bus-Route und keinen berühmten Nachbarn. Genau das hat sich nie geändert — und genau das ist der Punkt.

Wer war François Secondé — und wer führt das Haus heute?

François Secondé verließ die Schule mit vierzehn und begann als Landwirtschaftslehrling. 1972 kaufte er seinen ersten Weinberg, 1976 pachtete er weitere Flächen dazu und fing gemeinsam mit seiner Frau Anne-Marie an, eigenen Champagner zu machen. Daraus wurden 5,5 Hektar in einigen der besten Lagen der Montagne de Reims.

François Secondé ist 2018 gestorben. Das Haus trägt weiter seinen Namen, geführt wird es von Jérôme Groslambert — seit 2009 Kellermeister des Hauses, heute Mitgeschäftsführer. Er ist derjenige, der heute liest, keltert und entscheidet. Wenn wir in diesem Portrait vom Winzer sprechen, meinen wir ihn.

Was macht die 5,5 Hektar besonders?

Das Haus arbeitet als Récoltant-Manipulant (RM): eigene Trauben, eigene Lese, eigener Ausbau, eigene Abfüllung. Kein Zukauf, kein Verschnitt mit fremden Lagen. Die Flächen verteilen sich auf fünf Lagen:

  • Sillery Grand Cru — die Heimatlage, aus der die reinen Sillery-Cuvées kommen
  • Mailly Grand Cru und Verzenay Grand Cru — Pinot-Noir-Herz der Montagne de Reims
  • Puisieulx Grand Cru — mit knapp 20 Hektar eine der kleinsten Grand-Cru-Gemeinden überhaupt
  • Sermiers 1er Cru — aus dieser Lage entstehen rund 1.000 Flaschen im Jahr

Zwei Drittel Pinot Noir, ein Drittel Chardonnay. Ausgebaut wird in Edelstahl, die Lagen-Cuvée La Loge zusätzlich im Holzfass; gerüttelt wird von Hand. Der Grand-Cru-Brut kommt auf rund 25.000 Flaschen — für Champagner-Verhältnisse ist das nichts.

Wie schmeckt der Brut Rosé Grand Cru?

Der Brut Rosé Grand Cru ist die Handschrift des Hauses: Pinot Noir von einer der besten Lagen der Montagne de Reims, zu Rosé verarbeitet, ohne Ablenkung. Einen Grand-Cru-Rosé aus einer einzigen Gemeinde zu keltern ist keine selbstverständliche Wahl — die Lage trägt, der Jahrgang erzählt.

  • Farbe: zartes Lachsrosa mit kupfernem Schimmer
  • Nase: rote Früchte — Kirsche, Himbeere — mit einer würzigen Note und feiner Mineralität
  • Gaumen: strukturiert, mit guter Säure, samtige Textur, mittellanger Abgang mit leichtem Salz

Ins Glas: das schlanke — bei uns die Riedel Superleggero Hermitage. Der Kelch läuft nach oben zusammen und hält damit die Perlage, gibt der roten Frucht aber genug Raum. Ein schmales Sektglas schneidet genau das ab. Serviertemperatur 9–10 °C.

Was kommt bei uns dazu auf den Tisch?

Der Brut Rosé ist ein Tisch-Champagner, kein Aperitif zum Weggucken. Zu jeder Flasche legen wir einen Snack und ein Rezept dazu. Flasche. Snack. Rezept.

Unser Snack dazu: Comté-Würfel, 18 Monate gereift, mit halbierten Kirschtomaten. Die nussige Wärme des Käses trifft die rote Frucht im Glas.

Unser Rezept dazu: gebratene Entenbrust mit Rote-Bete-Vinaigrette. Fleisch, Säure, rote Noten — ein Abend, der etwas bedeutet.

Für wen ist dieser Champagner?

Für alle, die Rosé-Champagner ernst nehmen. Für die, die wissen, dass Grand Cru mehr ist als ein Label. Für die, die beim Kochen entscheiden, was in die Gläser kommt. Und für jeden, der einmal einen Ort im Glas haben will, den kein Reiseführer kennt — und der trotzdem Grand Cru ist.

Champagner hat ein Gesicht. In Sillery ist es das von Jérôme Groslambert, der einen Namen weiterträgt und eine Lage für sich sprechen lässt.

Was ein Récoltant-Manipulant ist — und warum das im Glas ankommt

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