Vadin-Plateau

1785 - Bei Vadin-Plateau sagt man das Datum so, als wäre es selbstverständlich. Als hätten nicht über 240 Jahre zwischen der ersten Pflanzung und dem heutigen Abfüllen gelegen. Als neunte Generation fällt einem das vielleicht irgendwann leicht.

Wir haben Aurélie Robinet auf einer ihrer vielen Parzellen getroffen. Über 100 Stück hat das Haus davon, verteilt auf 7 Hektar. Über 100 Parzellen. Das ist kein Betrieb — das ist ein Gedicht über Cumières, geschrieben über 240 Jahre.

Wo alles beginnt — Cumières, Aÿ und sieben Dörfer

Das Haus hat seinen Kern in Cumières, Premier Cru, an der Marne. Dort wächst Pinot Noir auf Böden, die den Weinen Tiefe und Struktur geben. Dazu kommen Parzellen in Aÿ, Grand Cru — einem der ältesten und renommiertesten Champagner-Orte überhaupt. Insgesamt sind es 7 Hektar in sieben Dörfern: Aÿ, Pourcy, Hautvillers, Cumières, Damery, Venteuil und Château-Thierry.

100 Parzellen über sieben Orte: das ergibt kein vereinfachtes Bild. Das ergibt Komplexität, die nur ein Haus mit langer Geschichte verwalten kann.

Die Familie — 1785, 9 Generationen, Biodynamie + Pferdepflug

Vadin-Plateau wurde 1785 gegründet. Heute führen Muriel Vadin und ihre Tochter Aurélie Robinet das Haus — seit 2022, in neunter Generation. In neun Generationen hat dieses Haus mehrere Kriege, Wirtschaftskrisen und mindestens drei Champagner-Moden überlebt — und produziert heute trotzdem auf eine Art, die radikaler ist als die meisten neuen Häuser.

Biodynamie und Pferdepflug — die Umstellung auf Bio läuft seit Februar 2017: Damals begann für fünf der sieben Hektar der Ecocert-Zertifizierungsprozess. Die erste zertifizierte Bio-Ernte war 2020. Ausgebaut wird in Ton-Eiern, Eichenfässern und Edelstahl nebeneinander, je nach Wein. Das ist kein Trend-Hokuspokus. Das ist eine Familie, die alt genug ist, um zu wissen, was funktioniert.

Stil & Philosophie — Pinot Noir, Zéro Dosage, 600 Flaschen

Der Bois des Jots ist die Essenz. 0,5 Hektar, 100 % Pinot Noir, 0 g/l Dosage, 600 Flaschen. Eine Parzelle. Ein Champagner. Kaum mehr davon als ein Experiment — aber das Ergebnis eines Hauses, das über 240 Jahre Erfahrung mit Cumières-Böden hat.

Daneben gibt es den Carac'terre (997 Fl, 0g/l) und die Intuition (48 Monate Hefelager, 2 g/l) — ein Spektrum, das zeigt: Vadin-Plateau denkt nicht in Cuvées, sondern in Böden.

Im Glas — so fühlt sich der Bois des Jots an

Bois des Jots — 100 % Pinot Noir, Zéro Dosage (600 Fl):

  • Farbe: helles Gold mit einem Hauch Bronze
  • Nase: rote Frucht (Himbeere, rote Johannisbeere), feine Erde, Feinheiten aus dem Ausbau in Ton-Ei und Holz — klar, unverdeckt
  • Gaumen: präzise Struktur, Säure die stützt statt sticht, Zéro Dosage ohne Kälte, Abgang mineralisch und ausgreifend

Empfehlung: Riedel Superleggero Burgunder Grand Cru, 10 °C, 10 Minuten warten — die bauchige Form gibt dem Wein Volumen und Oberfläche, und Zéro Dosage öffnet sich mit Luft. Welche der beiden Formen wann passt, steht in unserem Ratgeber zur Glaswahl für Champagner.

Am Tisch — Flasche. Snack. Rezept.

Der Bois des Jots ist kein Aperitif-Champagner. Er ist ein Champagner für einen Abend, der eine Richtung hat.

Snack: Nori-Chips mit Sesam und frischem Ingwer — die Mineralität des Zéro Dosage und die Umami-Note der Nori treffen sich auf halbem Weg.

Rezept: Gebratene Wachtel mit Kirsch-Jus und frischem Thymian — Pinot Noir kann Fleisch, wenn das Fleisch zart genug ist.

Für wen ist dieser Champagner?

Für alle, die es spannend finden, wie sich ein Haus über 240 Jahre entwickelt. Wenn dir der Ausbau im Ton-Ei kein Fremdwort ist, erst recht. Und für alle, die Zéro Dosage nicht als Verzicht verstehen, sondern als Klarheit.

600 Flaschen im Jahr. Wer nicht fragt, bekommt keine.

Champagner hat ein Gesicht. Bei Vadin-Plateau sind es zwei: Muriel Vadin und ihre Tochter Aurélie Robinet, die das Haus nicht verändert haben — sie haben es verfeinert.

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